Klarenbergstraße 2.0 geht in Planung

Aus der heutigen Rems Zeitung: Mobilität: Zebrastreifen, Querungshilfe, Radweg – das und mehr soll nach der aktuellen Planung die Situation für Fußgänger an der Klarenbergstraße/ Gutenbergstraße verbessern. Aus einigen Gemeinderatsfraktionen kommt Gegenwind.
SCHWÄBISCH GMÜND. „Ich würde das so nicht bauen“, kommentierte Stadtrat Karl Miller (Grüne). „Das“ ist in diesem Fall die Planung für eine Art „Shared Space“ am Übergang Klarenbergstraße/Gutenbergstraße und Untere Zeiselbergstraße. Nachdem der Gemeinderat Anfang Februar der Fahrradstraße Klarenbergstraße mehrheitlich eine Absage erteilt hatte, sollte wenigstens die Situation für Fußgänger an dieser Stelle verbessert werden. Die Grundzüge der Planung beruhen jetzt auf dem sogenannten Berner Modell. Die Stadt weist in der zugehörigen Vorlage darauf hin, dass dieses Konzept bereits am Kalten Markt und am Bockstorplatz erfolgreich umgesetzt wurde. In der jüngsten Gemeinderatssitzung erläuterte Baubürgermeister Julius Mihm nochmals den jetzigen Stand der Planung. Im Fokus stehen der Bereich der Einmündung in die Klarenbergstraße in die Gutenbergstraße, bis hin zur Einmündung in die westliche Klarenbergstraße. Eine leichte Rampe auf beiden Seiten soll vor allem Autofahrern unmissverständlich klarmachen: Hier beginnt ein neuer Straßenabschnitt. Mit andersfarbigem sogenannten Possehlbelag, Piktogrammen und einem deutlich gekennzeichneten Radstreifen kann und soll der Effekt verstärkt werden.
Apropos Fahrrad: Als Anbindung der Klarenbergstraße an die Radtrasse Zeiselberg soll in der Unteren Zeiselbergstraße ein Fahrradschutzstreifen entstehen – dafür fallen sechs Parkplätze vor den Häusern 23 bis 27 weg. Dabei handele es sich ausdrücklich nicht im Anwohnerparken, betonte Mihm. Jens Freitag (FDP/FW) merkte dennoch an, dass die wegfallenden Parkplätze ungünstig für den Zahnarzt seien, der seine Praxis in der Straße hat. Seine Mitarbeitenden und Patienten finden teils jetzt schon nur schwer Parkplätze.“ Die vorhandenen und schon ziemlich alten Bäume will die Stadt schützen: Dazu wird die Fahrbahnoberfläche leicht angehoben, ebenso die Fußgängerwege. So könne man mehr Rücksicht auf das Wurzelwerk der Bäume nehmen, heißt es von der Stadt. Und der Gehweg auf der nördlichen Seite sei ohnehin „desolat“ – eine gute Gelegenheit, das zu ändern. Auch einen Zebrastreifen in der Kurve, sowie eine Querungshilfe soll es laut der Planung geben, entweder in farblich abgesetztem Asphalt, oder in Pflaster.
Zustimmung zu den vorgelegten Plänen gab es vor allem von CDU, AfD, FDP und Bürgerliste. Fabian Wolf (CDU) lobte die Planung als „bedarfsorientiert“ und realistisch – auch im Hinblick auf die Kosten.
Die beziffern sich vorläufig auf rund 350 000 Euro, wobei die Stadt mit einem Eigenanteil von circa 250 000 Euro zu rechnen hat – eine deutlich geringere Förderquote als bei der Fahrradstraße also. Hier wären bis zu 90 Prozent der Kosten förderfähig gewesen. Ob das ganze auch für weniger Geld ginge? Das wollte Ullrich Dombrowski (BL) wissen, der sonst grundsätzlich von der Idee angetan war. Das werde man selbstverständlich erkunden, betonte Mihm, verwies aber auch darauf, dass Veränderungen an Bordsteinen immer sehr teuer seien – und genau die brauche es hier.
Deutliche Ablehnung hingegen signalisierten die Grünen. Gleich zu Beginn der Sitzung brachte Miller einen Antrag ein, den Beschluss zurückzustellen, solange das Bürgerbegehren „Sicher ins Städtle“ noch laufe. Die Initiative will das Thema Fahrradstraße nochmal auf den Gemeinderatstisch bringen und sammelt derzeit Unterschriften. „Aus Respekt gegenüber dieser Form der direkten Demokratie sollte der Gemeinderat nichts beschließen, bevor das Bürgerbegehren nicht abgeschlossen ist“, argumentierte Miller und erntete Zustimmung von s.ö.l. und SPD. In den anderen Fraktionen hingegen war man der Meinung, mit einer weiteren Verzögerung riskiere man nur die Chance, Fördergeld zu bekommen – das muss nämlich beantragt werden. Zudem, so Oberbürgermeister Richard Arnold, sei noch nicht sicher, ob das Bürgerbegehren die nötige Stimmenzahl und damit auch Wirksamkeit erreiche. Die sechs Wochen bis zur Gewissheit solle man nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Doch dies blieb nicht die einzige Kritik an der vorgelegten Planung. Es werde lediglich die Situation für Fußgänger verbessert, und auch das nicht optimal, bemängelte Sebastian Fritz (s.ö.l.) „Für Radfahrer bleibt die Situation unübersichtlich.“
Maren Zengerle (SPD) forderte deutliche Veränderungen und Verbesserungen der jetzigen Planung – etwa beim Zebrastreifen und der Querungshilfe. Ina Neufeld (Grüne) wollte von Mihm wissen, welches Tempolimit in dem Bereich vorgesehen sei – immerhin habe er wiederholt von
„langsam fahrenden Autos“ gesprochen.
Das sei Bestandteil der Detailplanungen und stehe somit noch nicht fest, antwortete Mihm. „Es handelt sich hier nur um eine Ideenskizze.“ Damit sicherte er auch Zengerle zu, dass ihre Anmerkungen in die Planung einließen würden. Überzeugen konnte die Verwaltung sie damit nicht – ebenso wenig wie die anderen 14 Räte, die gegen den Beschlussantrag stimmten. Die Mehrheit des Gemeinderats sprach sich dennoch für den Entwurf aus – womit es weitergehen kann im Kapitel Klarenbergstraße 2.0.
Copyright Rems Zeitung, 27.03.2025