Schwäbisch Gmünd: Stadtrat fordert sicheren Überweg an der Remsstraße

Ein neuer Fußgängerüberweg könnte die Sicherheit erhöhen, doch rechtliche Hürden und Verkehrsfluss sind Herausforderungen für die Stadt.
Schwäbisch Gmünd. Jahrzehnte führt der Weg aus der Innenstadt in die Lindenfirststraße und Nordstadt über die im Volksmund Sägbock genannte Fußgängerüberführung über Remsstraße, Rems und Bahngleise. Seit 2021 gibt es nur noch den über die Bahn führenden Teil des „Sägbock“. Die anderen Teile wurden wegen möglicher Einsturzgefahr abgebaut. Fußgängerinnen und Fußgänger bleiben der ursprünglichen Wegführung aber treu.
Stadtrat Fritz betont Dringlichkeit eines Überwegs
„Viele nutzen die kürzeste Verbindung und queren die Remsstraße auf Höhe des ‚kleinen Sägbocks’“, sagt Stadtrat Sebastian Fritz im Bauausschuss. Und er plädiert für einen Fußgängerüberweg an dieser Stelle, um die Gefahren zu minimieren. Dabei ist er offen für eine Ampelregelung oder einen Zebrastreifen. Die Leerrohre für eine Installation seien beim Umbau der Straße schon eingebracht worden. Deshalb müsse an der Stelle auch nicht aufgebaggert werden, betont er weiter.
Allerdings müssen Fußgängerinnen und Fußgänger an der Stelle insgesamt drei Fahrspuren queren. Neben den Spuren in Richtung Ost und West gibt es die Linksabbiegespur, die Autofahrer auch als U-Turn nutzen können. Viele Passanten verzichten dennoch auf den kleinen Umweg, der Fußgängerüberweg am Modepark Röther liegt nur 80 Meter entfernt davon.
Verkehrsrechtliche Hürden: Stadt und Polizei zögern
Der Pressesprecher der Stadt Schwäbisch Gmünd, Markus Herrmann, ist vorsichtig: Das Straßenverkehrsrecht erlaube das nicht ohne Weiteres. Zwei Punkte sprächen eindeutig gegen einen gewünschten Überweg an der Stelle: Einmal sind es die 2000 Fahrzeuge in der Stunde, zum anderen die fehlende Sichtbeziehung, weil Autofahrer in der langgestreckten Kurve zu spät reagieren könnten.
Auch die Polizei zeigt sich zurückhaltend. Pressesprecher Holger Bienert betont, man habe mit der Genehmigung nicht direkt zu tun, sei aber im Rahmen der Verkehrsschau an der Meinungsbildung beteiligt. Es sei eher unüblich, Zebrastreifen in so kurzem Abstand hintereinander zu platzieren. Das wirke sich auch auf den Verkehrsfluss aus. Im Übrigen habe sich dort seit Anfang 2020 kein einziger Unfall mit Fußgängern ereignet.
Die Stadtverwaltung werde am Thema weiter dran bleiben, sagt Markus Herrmann. „Wir prüfen die Möglichkeit, dort eine Querungshilfe einzurichten.“ Die kleine Insel zwischen den Fahrbahnen könnte zusätzliche Sicherheit bringen.
Fußgängerbrücke als langfristige Lösung
Eine elegantere Lösung könnte sich in ferner Zukunft anbieten. Davon sprach Bürgermeister Julius Mihm bei der Wieder-Inbetriebnahme der kleinen Überführung über die Bahnlinie. So könnte dieses noch bestehende Bauwerk über die Bahn einmal von einer Fußgängerbrücke abgelöst werden, die an beiden Enden an bis dahin neu errichtete Gebäude angeschlossen ist. Aktuell können Fußgänger, die von der Lindenfirststraße über den verbleibenden Teil des Sägbocks gehen, durch den extra dafür geschaffenen Treppenturm absteigen, dann über die Rotrinnenbrücke auf die Remsstraße und am Fußgängerüberweg beim Modepark Röther Richtung Stadt gelangen.
Woher der Name kommt
Der Rotrinnensteg wurde 1973 gebaut, da der Verkehr auf der Remsstraße weiter zunahm. Der Steg wurde immer wieder saniert, so 2011 und 2018.
Der Rotrinnenstegund die daneben liegende Rotrinnenbrücke haben ihren Namen vermutlich daher, dass dort bis 2013 der Schlachthof stand und in früheren Zeiten durch einen Kanal Schlachtabfälle und viel Tierblut in die Rems geleitet wurden, vermutet Jürgen Musch. Im Volksmund heißt der Rotrinnensteg Sägbock – vermutlich, weil dort vor dem Bau des Betonstegs im Jahr 1973 eine Holzkonstruktion den Fußgängern die gefahrlose Querung der Remsstraße ermöglichte.
Copyright Gmünder Tagespost, 26.02.2025